Wie sieht Ausstiegshilfe aus?

Steht der Entschluss, beginnt der praktische Teil der Ausstiegsbegleitung. Jede Ausstiegsbegleitung findet in der Nähe des Wohnortes eines jeden Menschen, der uns um Hilfe bittet, statt. Jede und jeder Aussteigende hat andere Vorstellungen davon, wie das Leben nach der Szenezugehörigkeit aussehen könnte und sollte. Es hat auch jede und jeder unterschiedliche Probleme, die im Ausstieg zu bewältigen sind. Aus diesen Gründen sind auch die Hilfen, die wir anbieten, sehr unterschiedlich. Und deswegen arbeiten wir auch grundsätzlich nur mit einzelnen Aussteigenden und nicht mit Aussteigergruppen. Wir möchten jeder und jedem Einzelnen helfen, ihren und seinen Weg aus der Szene und in ein neues Leben zu finden. Gemeinsam sind allen Ausstiegen lediglich die wichtigsten Merkmale, die wir mit unseren Aussteigerinnen und Aussteigern gemeinsam erreichen wollen:

  • Der Abbruch von Kontakten zur rechtsextremen Szene
  • Verzicht auf Straffälligkeit
  • Das Aufgeben von rechtsextremen Einstellungen

Was ein Ausstieg darüber hinaus beinhalten kann, finden wir anhand der eigenen Wünsche und Vorstellungen eines jeden und jeder Einzelnen um Hilfe bittenden heraus. Auf dieser Basis erarbeiten wir mit jedem Menschen, einen persönlichen Plan. Dieser Plan kann unter anderem beinhalten

  • Hilfe bei der Planung eines neuen Lebens außerhalb der rechtsextrem orientierten Szene
  • Hilfen zum Erwerb von Schul- oder Berufsausbildungsabschlüssen
  • die Suche nach Arbeitsplätzen
  • die Wohnungssuche
  • die Behandlung von Suchterkrankungen
  • die Entfernung oder Überdeckung von Tätowierungen
  • zu lernen, ohne Gewalt auszukommen
  • Vermittlung von Sozialen Trainingskurse
  • Begleitung zu Ämtern und Beratungseinrichtungen
  • Hilfen bei der Beantragung von Unterstützungsleistungen
  • Vermittlung von Notunterkünften in konkreten Bedrohungssituationen
  • Hilfe im Gespräch mit dem Elternhaus
  • Hilfe in Konfliktsituationen mit Arbeitgebern oder der Lehrerschaft
  • Gespräche zur Aufarbeitung der (Szene-)Vergangenheit

Um jede Aussteigerin und jeden Aussteiger davor bewahren zu können, eines Tages wieder in die rechtsextreme Szene zurückzukehren, ist es wichtig, zu verstehen, warum jede und jeder Einzelne in die Szene gegangen ist und rechtsextreme Einstellungen hatte. In Gesprächen finden wir mit jedem Menschen, der sich an uns wendet, diese Gründe heraus. Dass bedeutet aber nicht, dass rechtsextreme Einstellungen durch Einstellungen ersetzt werden, die wir teilen oder von denen wir erwarten, dass sie angenommen werden. Arbeit an den persönlichen Hintergründen für Szenezugehörigkeit heißt für uns: mit jeder Aussteigerin und jedem Aussteiger gemeinsam Wege zu erarbeiten, sowohl die Szenezugehörigkeit als auch die rechtsextremen Einstellungen überflüssig zu machen und hinter sich lassen zu können - ohne dabei eine andere Ideologie übernehmen zu müssen.

Seit das Aussteigerprogramm AussteigerhilfeRechts gegründet wurde, konnte den meisten Menschen, die um Ausstiegsbegleitung gebeten haben, geholfen werden, ein neues Leben außerhalb der rechtsextremen Szene zu beginnen. Die AussteigerhilfeRechts kann also dabei helfen, sich von der rechten Szene loszusagen und ein anderes Leben zu führen.